Auch Hunde können, ebenso wie alle anderen Säugetiere, unter Herzproblemen und -krankheiten leiden. Anzeichen dafür, dass das Herz nicht optimal arbeitet, sind oftmals plötzliche Ohnmachtsanfälle. Eine zu hohe oder niedrige Herzfrequenz und Herzrhythmusstörungen können zu einem rapiden Leistungsabfall führen. Der Hund ermüdet bereits nach kurzen Bewegungsphasen, taumelt aufgrund von Schwindelanfällen oder hat ein erhöhtes Schlafbedürfnis.
Wenn das Herz zu langsam oder auch unregelmäßig schlägt, entsteht in Momenten einer körperlichen Belastung eine Sauerstoffunterversorgung, so dass sich die genannten Symptome einstellen. Mit dem Alter des Tieres hat das grundsätzlich erst einmal nichts zu tun. Diese speziellen Herzrhythmusstörungen, die medizinisch als Bradykardie bezeichnet werden, resultieren meistens aus einem AV-Block oder dem Sick-Sinus-Syndrom. Auch junge Hunde können von der Erkrankung betroffen sein.
Sobald der Hundebesitzer irgendwelche Auffälligkeiten der beschriebenen Art bei seinem Hund registriert, sollte der erste Gang sofort zum Tierarzt führen. Die sicherste Diagnosemöglichkeit besteht darin, ein Elektrokardiogramm (EKG) zu erstellen. Die für die Bradyarrhythmie typische Verlangsamung der Herzfrequenz führt im schlimmsten Fall bis zum Sinusstillstand (med.: Sinus Arrest). Der AV-Block kann in unterschiedlichen Graden auftreten, wobei Grad 2 normalerweise nur zu einer Therapie führt, wenn klinische Symptome auftreten. Im EKG stellt sich der AV-Block des 2. Grades in drei verschiedenen Typen dar, dem sogenannten Mobitz-1-Typ und dem Mobitz-2-Typ. Der dritte, als High Grade bezeichnete Typ, macht eine Unterscheidung der beiden Mobitz-Typen unmöglich. Der High Grade Typ erfordert sehr oft die Implantation eines Herzschrittmachers. Wenn ein AV-Block 3. Grades diagnostiziert wird, ist die Implantation eines Schrittmachers sogar unumgänglich.
Das Sick-Sinus-Syndrom kennzeichnet sich durch Rhythmusstörungen und Vorhofflimmern. Der Sinusknoten unterliegt hier einer Funktionsstörung. Eine Kontraktion der beiden Herzkammern ist somit nicht mehr gegeben. Das Herz beginnt unregelmäßig zu schlagen, und es folgt ein Sinus Arrest, der mehrere Sekunden andauert. Ein Ersatzrhythmus setzt zwar ein, allerdings so verzögert, dass es zum Kreislaufkollaps beziehungsweise zu einer Bewusstlosigkeit (med.: Synkope) kommen kann. Der Kreislauf wird nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt, was letztendlich die Aufgabe des Herzens ist. Dieser, aus vier Herzkammern bestehende Hohlmuskel, übernimmt die Blutversorgung des Körpers. Nur durch eine einwandfreie Funktion ist eine ausreichende Sauer- und Nährstoffzufuhr von Organen und Geweben gewährleistet. Funktionsstörungen machen sich gerade bei körperlichen Belastungen umgehend bemerkbar. Die beschriebenen Unregelmäßigkeiten spiegeln sich eindeutig in einem EKG wieder, wobei, gerade im Falle eines Sick-Sinus-Syndroms, oftmals ein 24-Stunden-EKG erforderlich ist, da die Rhythmusstörungen nicht immer in einem Kurzzeit-EKG sofort sichtbar sind.
Der Arzt wird letztendlich zur Implantation eines Herzschrittmachers raten, wenn er bei einem Hund ein Sick-Sinus-Syndrom oder auch einen AV-Block 3. Grades diagnostiziert hat. Hundebesitzer, die sich für den Eingriff entschieden, merkten Berichten zufolge alle eine positive Veränderung. Selbstverständlich blieben nach dem Eingriff die Ohnmachtsanfälle aus. Die Hunde zeigten aber auch spürbar mehr Lebens- und Bewegungsfreude und wirkten plötzlich wieder richtig jung.
Doch wie geht die Implantation eines Herzschrittmachers beim Hund nun vonstatten? Der Eingriff selbst dauert in der Regel unter einer Stunde. Der Tierarzt setzt den Hund unter Vollnarkose. Oftmals wird vor der Narkose ein temporärer Schrittmacher eingesetzt. Dieser soll die Herzfrequenz gleichmäßig halten und verhindern, dass die Narkose zum Herzstillstand führt. Beim Abfall der Herzfrequenz bewirkt ein temporärer Schrittmacher, durch die Aussendung elektrischer Signale, dass das Herz gleichmäßig weiter schlägt.
Unter Narkose nimmt der Tierarzt dann einen kleinen Hautschnitt vor. Die Freilegung der rechten Jugularvene ermöglicht die Einführung der Elektrode. Bis die Elektrode des permanenten Schrittmachers am Herzen angekommen ist wird sie behutsam durch die Vene geschoben. Der Arzt überwacht diesen Prozess am Röntgenschirm. So ist die exakte Positionierung gewährleistet. Bevor die Elektrode mit dem Herzschrittmacher verbunden wird, erfolgt ein Funktionstest. Die Implantation des Herzschrittmachers findet in einer, im Anschluss an das Schulterblatt des Hundes befindlichen, sogenannten Tasche statt. Abschließend wird die Schnittstelle vernäht. Tiere regenerieren sich nach solchen Eingriffen zumeist erstaunlich schnell. Gerade die Implantation eines Herzschrittmachers ist bei Hunden kein sehr großer und komplizierter Eingriff. Die Tierkliniken befürworten zumeist eine Übernachtung, damit der Hund in den ersten Stunden nach der Implantation unter ärztlicher Kontrolle ist. Oftmals kann das Tier aber auch am selben Tag nach Hause. Die Entscheidung sollte der Hundebesitzer dem Arzt überlassen.
Die Technik der Herzschrittmacher wurde in den letzten Jahren ständig verbessert. Die modernen Geräte ermöglichen bereits eine individuelle Anpassung an spezielle Funktionsstörungen. Herzschrittmacher und Elektrode sind miteinander verbunden und wirken als systematische Einheit zusammen. Die heutigen Herzschrittmacher sind bereits so konzipiert, dass sie nur dann aktiv werden, wenn der eigene Herzrhythmus aussetzt oder unregelmäßig abläuft. Das setzt voraus, dass das System in der Lage ist, eigene Aktivitäten des Herzens zu erkennen. Bei fehlender Eigenaktivität sendet der Schrittmacher elektrische Impulse, die ein Zusammenziehen des Herzmuskels bewirken. Verbunden ist der Schrittmacher mit dem Herzen über die Elektrode, einem hauchdünnen, elektrisch isolierten Draht. Verankert ist die Elektrode im rechten Herzvorhof, und gibt hier die elektrischen Impulse an das Herz ab. Diese feine Drahtelektrode stellt auch die Herzaktivität fest und steuert die Weitergabe dieser Information an den Schrittmacher. Viele Herzschrittmacher sind heute sogar schon in der Lage, Veränderungen im Organismus zu erkennen, und ihre Frequenz entsprechend anzupassen. Ein spezieller Sensor macht solche Frequenzanpassungen möglich. Er reagiert auf physikalische Veränderungen im Körper.
Die Kosten für die Implantation eines Herzschrittmachers sind in einigen Tierkliniken geringer, als es der Tierbesitzer vielleicht befürchtet. Das begründet sich daraus, dass die Schrittmacher, deren Wert ungefähr 10.000 Euro beträgt, oftmals gespendet werden. In diesen Fällen kann ein Tierarzt den Eingriff bereits für knapp 1.500 Euro durchführen. In dieser Summe sind bereits die vorbereitenden Untersuchungen, wie das Röntgen, das EKG und Ultraschallaufnahmen vom Herzen, inbegriffen.